Genauso schnell wie ich mich in Vinyasa Flow verliebt habe ist auch meine Liebe zu Yin Yoga entbrannt. Es ist für mich der perfekte Ausgleich zu allem: Sowohl zu Bewegungslosigkeit als auch zu allen aktiven Formen von Yoga (oft als Yang-Stile bezeichnet) und zu Sport im Allgemeinen. Ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass besonders Sportler von einer regelmäßigen Yin-Praxis sehr profitieren können. Um es kurz zu fassen: Yin Yoga ist wie Vinyasa für jeden geeignet.

Yin Yoga ist ein sehr ruhiger Stil, bei dem Dehnung und Stille im Vordergrund stehen. Du gehst in eine speziell angepasste Yin-Variante zumeist bekannter Yang-Asanas, wobei das Ziel ist, jegliches Halten mit der Muskulatur loszulassen. Die meisten Yin-Asanas werden im Liegen oder Sitzen ausgeführt, die Schwerkraft darf wirken, du darfst ganz in die Position und in dich hinein sinken.

Dabei entstehen intensive Dehnungen im tiefen Bindegewebe, die für 3-5 Minuten gehalten werden – Fortgeschrittene steigern das auf bis zu 10-15 Minuten – und dabei immer sanft und schonend bleiben. Wichtig sind hier wieder deine eigenen, ganz persönlichen Grenzen. Sei sanft zu dir, gehe respektvoll mit deinen Grenzen um, lass den Ärger darüber los, dass dein Körper heute nicht so nachgiebig ist wie gestern, und vermeide den Blick zum Nachbarn. Erstens war sein bisheriger Tagesablauf vermutlich ein anderer als deiner und deshalb befindet sich sein Körper und Geist wahrscheinlich an einem anderen Nachgiebigkeits-Punkt als das bei dir heute der Fall ist. Und zweitens ist Yin-Yoga oft nicht ganz so ästhetisch und schön anzusehen wie du das vielleicht vom Yoga gewohnt bist – ich habe die Erfahrung gemacht, dass dann sowieso jeder lieber bei sich bleibt. Kleine Ausnahme, wo der Blick zum Nachbarn Sinn macht: Hol dir Inspiration für neue Varianten

Die Kombination aus Liegen und das für 5 Minuten klingt soweit vielleicht ganz gemütlich, kann dich aber sowohl körperlich als auch geistig herausfordern. Deshalb nimmt auch beim Yin Yoga deine Atmung einen zentralen Stellenwert ein. Sie ist dein Anker und hilft dir, die Qualität von Savasana in den unterschiedlichsten Körperhaltungen zu finden. (Savasana ist die „klassische“ Yoga-Endentspannung. Wenn du schon einmal Yoga praktiziert hast, hast du diesen losgelösten und zugleich gefestigten Zustand der kompletten Entspannung vielleicht schon einmal erlebt.)

Was Yin Yoga immer bereithält: Überraschungen! Gerade wenn du glaubst, es durchschaut zu haben, taucht ein völlig neuer Aspekt auf. Lass dich von der scheinbaren Einfachheit nicht täuschen und geh auf Entdeckungstour in dir selbst.

Wirkungen von Yin Yoga:

  • Stärkung des Bindegewebes (Gelenke, Bänder, Sehnen, Knochen): Reparatur- und Wachstumsmechanismen werden angeregt, Verletzungen vorgebeugt
  • Löst Verklebungen im Gewebe zB zwischen den Muskelfaszien
  • Intensive Dehnung der Muskulatur
  • Kann Blockaden lösen
  • Erweiterung des persönlichen Bewegungsausmaßes
  • Körperliche und geistige Entspannung pur